Schwein-18 - Befall mit Milben

I.Signalement

 

·        Landrasse

·        weiblich

·        ca. 250 kg

·        Ohrmarken- Nr., linkes Ohr : x

·        Tätowierung, linkes Außenohr    : x

·        ca. pfenniggroßes Loch im rechten Ohr, glatt gerandet, vermutlich eine alte Ohrmarkenläsion

 

Besitzer: x

 

 

II. Anamnese

 

Hochträchtige Sau mit Hautveränderungen

 

 

III. Status praesens

 

16.05.1997

 

 

·        es handelt sich um eine gut genährte Sau, deren Pflegezustand mäßig ist

·        das Tier wird in Bauchlage vorgefunden, es ist ziemlich träge sowie alle Tiere im Stall, da es sehr warm ist (ca. 25 C)

·        die Sau nimmt an ihrer Umgebung Anteil und hebt auf Ansprache den Kopf und gibt grunzende Laute von sich

·        sie erhebt sich etwas lustlos und trinkt

·        das Aufstehen macht ihr keine Schwierigkeiten, obwohl es gemächlich geschieht. Das Stehen ist ebenfalls nicht beeinträchtig; alle vier Gliedmaßen werden gleichmäßig belastet, die ausgeführten Bewegungen sind unauffällig.

·        Atemfrequenz:                                             40/ min.

·        rektal gemessene Körperinnentemperatur:  38,8 C

·        Pulsfrequenz:                                               88/ min.

 

Haut und Haarkleid

 

Die Haut ist blaß-rosa gefärbt und ohne Zusammenhangstrennungen. An den Carpalgelenken sind Liegeschwielen erkennbar. Generell ist die Haut trocken und schuppig. Besonders auf dem Nasenrücken und über die gesamte Rückenlinie fällt dies auf. Die Hautschuppen lösen sich auf leichtes Kratzen hin ohne Substanzverlust ab und sind von weißer Farbe.

Auf den Ohraußenflächen sind kleine, ca. stecknadelkopfgroße, rötliche, teils circumskripte, teils konfluierende Effloreszenzen, die teilweise auch leicht erhaben erscheinen (Papeln). Dieser Befund ist auf dem rechten Ohr stärker als auf dem linken. Die Ohrinnenseite ist im peripheren Bereich physiologisch, weiter zum Gehörgang hin und in dem äußerlich sichtbaren Anteil des Gehörganges sind beidseits starke Verschmutzungen zu erkennen, die auch recht unangenehm riechen.

Am Ohrgrund und direkt dahinter sind blutige, krustöse Auflagerungen, ca. von der Größe zweier Fünfmarkstücke, erkennbar, die nur unter  Substanzverlust ablösbar sind. Dies ist ebenfalls rechts stärker ausgeprägt als links.

Weitere Hautveränderungen sind auf der linken Körperhälfte im Bereich des Margo  dorsalis scapulae erkennbar. Hierbei handelt es sich um ca. fünfmarkstückgroße, schwarz- braune, krustöse Auflagerungen, die sich ohne Substanzverlust ablösen lassen.

Auf der rechten Körperhälfte sind besonders im Bereich des Ohrgrundes und direkt dahinter, lateral am Hals, fast kinderhandflächengroße, blutig- krustöse Auflagerungen erkennbar, die aber teilweise nicht ganz zusammenhängend sind. In der Kniegelenksregion sind weitere schwarz- braune Verkrustungen von ähnlicher Größe wie die oben beschriebenen erkennbar.

Im vorderen Lendenwirbelbereich ist die Haut in einem ca. handtellergroßen Bezirk leicht gerötet und schuppig, teilweise mit kleinen, schwarz- braunen Verkrustungen belegt. Diese lassen sich ohne Substanzverlust ablösen.

Das Berühren in den veränderten Bezirken wird nicht als unangenehm oder schmerzhaft, eher sogar als angenehm empfunden, was auf einen gewissen  Juckreiz schließen läßt.

 

Die Borsten sind etwas zu lang und im Hungergrubenbereich, sowie im oben beschriebenen Lendenwirbelbereich nicht anliegend, sondern ungeordnet und strubbelig.

Beiderseits sind im Bereich zwischen Knie- und Tarsalgelenk  ca. zweihandtellergroße haarlose Stellen, die sich bei längerem Liegen rötlich verfärben. Diese Hyperämie verschwindet aber bald wieder, sobald das Tier ein wenig steht und sich bewegt.

Die Borsten lassen sich leicht ausziehen, besonders am Stamm. Sie sind jedoch nicht leicht brechbar.

 

 

Schleimhäute

 

Die Konjunktiven sind rötlich, feucht, glatt, glänzend und ohne fremde Auflagerungen.

An der Rüsselscheibe lassen sich ebenfalls keine Veränderungen erkennen.

Die Vaginalschleimhaut ist hyperämisiert und die Schamlippen leicht ödematisiert, was allerdings in Anbetracht der Hochträchtigkeit, nicht als unphysiologisch zu bewerten ist.

 

 

Lymphapparat

 

Die Lymphknoten konnten bedingt durch den guten Ernährungszustand des Tieres nicht palpiert werden.

 

 

Zirkulationsapparat

 

Die Herzfrequenz ist leicht erhöht. Dies ist aber in Anbetracht der Kreislaufbelastung durch Hitze und Trächtigkeit nicht als pathologisch zu bewerten.

Das Herz schlägt, soweit auskultierbar, regelmäßig, kräftig, die Herztöne sind abgrenzbar und Nebengeräusche nicht hörbar.

 

 

Respirationsapparat

 

Die Atemfrequenz ist im Sinne der Thermoregulation etwas erhöht. Atemgeräusche sind nicht zu hören.

Der Atemtyp ist costoabdominal, also physiologisch.

Bei Betreten der Box gibt die Sau grunzende Laute von sich, so daß auch im perilaryngealen Bereich keine Veränderungen zu erwarten sind (Ödematisierung durch entzündliche Prozesse, Lähmungen oder Neoplasien mit lumeneinengenden Eigenschaften, etc.). Außerdem ist dies ein Zeichen von Aufmerksamkeit und Neugierde.

 

 

Digestionsapparat

 

Die Sau hat Kot abgesetzt, der von physiologischer Farbe, Konsistenz und Geruch ist.

Harnabsatz konnte ich nicht beobachten, ist aber aufgrund des feuchten Strohs zu vermuten bzw. zu unterstellen.

 

 

Harn- und Geschlechtsorgane

 

Wie bereits oben erwähnt ist die Vulva ödematisiert und hyperämisiert.

Das Gesäuge ist noch nicht herangebildet. Es ist palpatorisch unauffällig, die Haut ist blaß-rosa und läßt sich leicht abziehen und verschieben.

 

 

Bewegungsapparat

 

Außer den erwähnten Läsionen an den Carpalgelenken sind keine weiteren Einschränkungen erkennbar.

Die Klauen sind nicht übermäßig lang oder in ihrer Stellung auffällig.

Das Tier kann aufstehen, Stehen und ohne erkennbare Einschränkungen herumlaufen. Dabei belastet es alle vier Gliedmaßen gleichmäßig

 

Nervensystem und Sinnesorgane

 

Das Sensorium ist ungetrübt; ebenso erscheinen die Motorik und Sensibilität soweit beurteilbar, nicht beeinträchtigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

IV. Zusammenfassung der richtungsweisenden Befunde

 

Multiple, verschieden große, prurigenöse und verschieden scharf begrenzte Hautveränderungen, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden.

Diese sind am ganzen Körper anzutreffen, zeigen aber eine deutliche Konzentration im Bereich der Ohren und des Ohrgrundes.

Die Gehörgänge sind verschmutzt.

 

Nach Umstallung in die Abferkelbox gehen die roten Flecken sehr schnell zurück und die Läsionen der Haut heilen gut ab. Dies ist vermutlich auf die erheblich eingeschränkte Bewegungsfreiheit und die hieraus resultierende Verminderung des Scheuerns zurückzuführen.

 

 

 

V. Diagnose

 

Als Verdachtsdiagnose ist der Befall mit Milben zu nennen.

Für die Bestätigung dieser wäre ein Hautgeschabsel- am besten von der Ohrinnenseite und im Randbereich der Veränderungen- nötig. Dies ist jedoch nicht gemacht worden, so das eine genaue Diagnose nicht möglich ist.

 

 

VI. Differentialdiagnose

 

Differentialdiagnostisch wären die Parakeratose, der Biotinmangel und der Sonnenbrand auszuschließen. Ferner wäre die Demodikose zu nennen, die mit der Bildung von purulenten bis zu erbsengroßen Pusteln einhergeht. Solche Pusteln sind in den Bereichen der augenscheinlichen Besserung nach ungefähr einer Woche bei dieser Sau zu sehen. Da die Demodikose in Mitteleuropa sehr selten ist, sind diese vermutlich auf die vorangegangene Entzündung zurückzuführen.

Der Sonnenbrand ist angesichts der Haltung des Tieres im Stall auszuschließen.

Der Biotinmangel kommt ebenfalls eher nicht als Ursache der Veränderungen in Frage, da die Fütterung der Tiere in der Klinik unter der Aufsicht von Fachleuten  steht und somit eine Unterversorgung mit essentiellen Nährstoffen nicht anzunehmen ist ( dies ist jedenfalls zu hoffen). Außerdem wäre hierbei ein stärkerer Haarausfall und Brüchigkeit der Borsten zu beobachten.

Ebenso kann die Parakeratose ausgeschlossen werden. Hierbei läge ein Zinkmangel vor, welcher aufgrund der oben genannten Gründe in der Klinik ebenfalls nicht zu vermuten ist. Die klinischen Symptome wären dann auch eher klebrige, konfluierende Effloreszenzen und ein wesentlich stärkerer Juckreiz.

 

 

VII. Therapie

 

Die Therapie eines -diagnostisch abgesicherten- Befalles mit Sarcoptesmilben besteht in Sprüh-, Bade- oder Tauchbehandlungen mit Ascariciden auf der Basis von Phosphorsäureestern oder HCH.

Auch eine parenterale Behandlung wäre mit Ivermectin anzuraten

(0,3 mg/ kg KGW).

Noch besser wäre eine Kombination beider Verfahren.

Da die Sau so kurz vor dem Abferkeln steht ist eine möglichst rasche Behandlung von Nöten, da sich sonst der gesamte Wurf infizieren kann.

Ferner ist eine sehr gründliche Reinigung der zuvor bewohnten Stallung zu empfehlen, um eine Infektion der nachfolgenden Tiere zu verhindern.

 

 

VIII. Prognose

 

Die Prognose ist bei konsequenter Therapie gut.

Auch ein Befall des Wurfes ist zu verhindern, wenn acht Tage vor dem Geburtstermin eine parenterale Behandlung der Sau mit Ivermectin erfolgt.

 

 

IX. Epikrisis

 

Sarcoptesmilbenbefall ist eine leistungsmindernde Infektion, die besonders auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bekämpfen ist.

Die befallenen Tiere sind unruhig, neigen hierdurch zu Kannibalismus und haben schlechtere Tageszunahmen. Bei Zuchtsauen ist eventuell sogar die Gefahr des Erdrückens von Ferkeln erhöht, da der Juckreiz eine erhöhte Aktivität des Tieres verursacht.

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