Fortpflanzung-19 - Kuh: Proöstrus

 

 

Untersuchungsbericht

 

Klinik x

Ausgegeben am x.2002

von xxx

 

xxx

Matr.nr.: xxx

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.     Signalement

 

Art: Rind

Patientennr.: x

Rasse: Schwarz- Bunte

Geschlecht: weiblich

Besitzer: x

Alter: ca. 3- 4 Jahre (Zahnalter geschätzt)

Ohrmarkennr.: x

 

2.     Anamnese/ Vorbericht

 

Das Rind hatte am 21.10.2001 abortiert und ist seitdem dreimal erfolglos besamt worden.

Die weitere Nutzung soll diskutiert werden.

 

3.     Allgemeine Untersuchung (Status praesens am 23.07.2002)

 

·        Allgemeinzustand

 

Verhalten: ruhig, aufmerksam

Körperhaltung: Rind steht, belastet alle Gliedmaßen gleichmäßig

Ernährungszustand: gut

Pflegezustand: gut

Temperatur: 38,9°C

Episkleralgefässe: mäßig gefüllt

SH: blass- rosa, feucht, glatt, glänzend

KFZ: < 2 sec.

AF: 30/ min

HF: 64/ min

Puls: kräftig, regelmäßig, 64/ min

 

·        Haut / Haarkleid

 

Das Haar ist glatt, geschlossen und anliegend.

Die Haut ist trocken, weist keine schadhaften Stellen auf, aufgezogene Hautfalten verstreichen zügig nahezu vollständig.

 

·        Lymphapparat

 

Die Untersuchung der tastbaren Lymphknoten bleibt o.b.B.

 

·        Atmungsapparat

 

Das Rind atmet regelmäßig mit einer Frequenz von 30/min. Die Lungenauskultution ergibt physiologische Befunde. Husten ist nicht auslösbar.

Die Nasenschleimhaut ist frei von Auflagerungen oder Ausfluss.

 

·        Zirkulationsapparat

 

Das Herz schlägt regelmässig und gut abgesetzt  64/ min.

Der Puls ist kräftig und stimmt mit der Herzfrequenz überein, die Arterien sind gut gespannt und gut gefüllt.

Die Venenstauprobe ist beidseitig negativ.

 

·        Digestionsapparat

 

Der Lippenschluß ist vollständig, das Maul ist sauber.

Das Rind frisst Heu, der Absatz von breiigem Kot kann beobachtet werden.   

Das Abdomen ist symmetrisch und die Bauchdecke locker.         

Die Auskultation des Pansens, des Labmagens und des Darms ergeben physiologische Befunde.        

 

·        Harn-/ Geschlechtsorgane

 

Harn wird im Schwall abgesetzt.

Das Euter ist klein, symmetrisch und nicht laktierend.

Die Schamspalte ist senkrecht und geschlossen.

      Die Vaginalschleimhaut ist leicht gerötet, leicht ödematisiert und feucht    

      (Feuchtigkeitsgrad III).

 

·        Bewegungsapparat

 

Das Rind steht eigenständig und belastet alle vier Gliedmaßen gleichmäßig. 

 

·        ZNS

 

     Oberflächen- und Tiefensensibilität sind vorhanden, Lid-, Ohr-, Anal- und Drohreflex

     sind auslösbar. Gesichtssinn und Hörvermögen sind ungestört.

 

 

4.     Spezielle Untersuchung

 

Die rektale Untersuchung ergibt:

Uterus: G II, S, K II

Ovarien: (rechts) ca. 3 cm Durchmesser, auf der Oberfläche ist eine prall fluktuierende   

                            Struktur von ca. 11 mm Durchmesser zu fühlen.

               (links) ca. 2,5 cm Durchmesser, auf der Oberfläche ist eine derbe, ca. 1,5 cm große    

                          Struktur zu ertasten

 

5.     Differentialdiagnosen

 

Follikel- Lutein- Zyste: Diese Zysten sind i.A. dickwandig und gering fluktuierend, die Kontraktionsbereitschaft des Uterus ist gering und die Vaginalschleimhaut wenig feucht. Diese Diagnose kann aufgrund des klinischen Bildes ausgeschlossen werden

 

6.     Diagnose

 

Das Rind befindet sich im Proöstrus. Der Östrus ist vermutlich innerhalb der nächsten 72 Stunden zu erwarten.

 

7.     Prognose

 

Der Östrus ist vermutlich innerhalb der nächsten 72 Stunden zu erwarten.

 

8.     Therapie

 

Der nächste Östrus wird abgewartet und ein erneuter Besamungsversuch unternommen.

 

9.      Epikrise

 

Das Rind Nr. R1116 wurde nach einem Abort am 21.10.2001 dreimal erfolglos besamt.

Der nächste Östrus wird abgewartet und ein weiterer Besamungsversuch unternommen.

Die Ursache des Abortes sollte eingehender untersucht werden, da er Hinweis für eine im Bestand vorhandene Krankheit sein könnte. Ursächlich kommen verschiedene Erkrankungen in Frage wie z.B.:

 

BVD/ MD

Die Symptomatik dieser Krankheit hängt entscheidend davon ab wann die Infektion stattgefunden hat.

Bei Infektion im Mutterleib im ersten Drittel der Trächtigkeit führt gehäuft zu Aborten.

Die lebensfähigen Kälber bleiben in der Regel in der Entwicklung zurück und kümmern. Im allgemeinen sterben diese Rinder im 1. oder 2. Lebensjahr oft unter dem klinischen Bild der „Mucosal Disease“ (MD) mit schweren Schleimhautveränderungen im Magen- Darm- Kanal und schwerem blutigen  Durchfall.

Es können aber auch klinisch gesunde Virämiker geboren werden. Diese scheinbar gesunden Tiere sind für die Verbreitung der Infektion sehr gefährlich.

Bei Infektion des Fetus zwischen dem 90. und ca. 130. Trächtigkeitstag können schwere Missbildungen des ZNS und/ oder Skeletts auftreten.

Bei späterer Infektion ist der Fetus immunkompetent, bildet selbst Antikörper und wird mit Antikörpern geboren.

Die auftretenden Symptome sind abhängig vom Virustyp der die Infektion verursacht. Man unterscheidet einen zytopathogenen (zp) und nicht- zytopathogenen (nzp) Virustypen. Es wird angenommen dass sich die MD in Virämikern  durch Mutation des nzp- Virus zum zp- Virus entwickelt.

Diese Diagnose sollte durch eine Blutuntersuchung ausgeschlossen werden.

 

IBR/ IPV

Diese durch das Herpesvirus BHV-1 hervorgerufene Erkrankung tritt weltweit sporadisch auf und kann grob in zwei Verlaufsformen unterteilt werden.

Die IBR äußert sich vorwiegend in leichten bis hin zu schweren oder chronischen Erkrankungen des Respirationstraktes (Rhinotracheitis).

3- 8 Wochen nach der virämischen Phase kann es zu Aborten kommen.

Die IPV wird fast ausschließlich beim Deckakt oder bei künstlicher Besamung mit infiziertem Sperma übertragen. Sie äußert sich durch Bläschen, die nach 2-3 Tagen zu Pustel anwachsen und unter Bildung geschwüriger Bereiche aufplatzen und meist komplikationslos abheilen. Je nach Infektionsweg entstehen diese Veränderungen im Vaginal- und Zervikalbereich, bzw. im Uterus und Eileiter.

Erkrankte, aber auch latent infizierte Tiere ohne klinische Symptomatik können über Monate Virusausscheider bleiben und so die Verbreitung im Bestand aufrecht erhalten.

Impfungen mit Totimfstoffen sind nur gegen IBR nach strenger Indikation erlaubt. Ein Test auf entsprechende Antikörper sollte vorsichtshalber im Bestand des vorliegenden Patienten durchgeführt werden.

Virusträger können allerdings auch serologisch negativ ausfallen.

 

Campylobacteriosis genitalis

Diese bakterielle Infektion ist  weltweit verbreitet. Je nach Infektionsdruck und Immunlage entstehen vorwiegend Entzündungen von Endometrium, Salpingen oder der Zervix.

Diese Infektion verläuft zwar meist mild, führt aber gehäuft zu Umrindern oder bei Infektion mit C. fetus ssp. fetus zum Verkalben.

Um diese Diagnose auszuschließen sollte eine Tupferprobe der Genitalschleimhaut ausgewertet werden.

 

Haemophilus somnus

Nach haematophiler Besiedelung des graviden Uterus kommt es zu einer Plazentitis und zu Abort oder der Geburt lebensschwacher oder toter Kälber.

Diese Deckinfektion sollte noch mit Tupferproben bei Kuh und Deckbullen ausgeschlossen werden.

 

Mykoplasmen

Dieser Erreger wurde im Zusammenhang verschiedenster Veränderungen der Geschlechts- organe isoliert. Die Symptome umfassen praktisch das gesamte Spektrum der möglichen Störungen des Geschlechtsapparates wie Umrindern, Aborte, Endometritis, sowie Entzündungen an Hoden und Nebenhoden sowie Minderung der Spermaqualität.

 

Es sollte im betroffenen Bestand eine Untersuchung auf die Ursache des vorangegangenen Abortus stattfinden, um mögliche Ansteckungsgefahr des restlichen Bestandes auszuschliessen.

 

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