Fortpflanzung-16 - Bulle: Potentia coerundi

Datum:           15.01.2001

Von:                 

 

 

Untersuchungsauftrag

Der Bulle soll an eine Besamungsstation verkauft und vorher auf Zuchttauglichkeit    untersucht werden

 

Nationale

Tierart:                       Rind

Name:                        x

Rasse:                          Braunvieh

Geschlecht:                 männlich

Alter:                          4 Jahre   

Ohrmarkennummer:    X

Herdbuchnummer:       0000000

Stockmaß:                    ca. 165 cm       

Gewicht:                      ca. 750 kg

Besitzer:                        x

 

 

Vorbericht

 

Der Bulle ist im Betrieb von Herrn x. geboren und aufgezogen worden.

Er läuft seit 2 Jahren in einer Mutterkuhherde von 30 Tieren mit. In der letzten Decksaison wurden alle 30 Kühe gedeckt, 26 Kälber wurden geboren.

Es sind keine Erkrankungen bekannt, das Tier war nie lahm.Die Tiere werden mit Heu, Kraftfutter und Silage gefüttert.  Fresslust war gut, Kot und Harnabsatz waren stets unauffällig.

 

 

Allgemeine Untersuchung

Das Tier ist ein wunderschöner Braunviehbulle mit dem für Geschlecht und Rasse idealen Habitus.

Verhalten: ruhig und aufmerksam. Ernährungs- und Pflegezustand gut, Temperatur 38,0 ° C, Die Schleimhäute sind blaßrosarot, feucht, glatt, glänzend und ohne Auflagerungen.

Das Haarkleid ist geschlossen, glatt, anliegend und glänzend.

Die Unterhaut läßt sich leicht vom Rippenbogen abheben, eine aufgezogene Hautfalte verstreicht zügig und vollständig

Die Kopflymphknoten lassen sich nicht palpieren. Die Stammlymphknoten sind ohne Befund. Sämtliche palpierten Lymphknoten sind unter der Haut verschieblich, glatt, von prallelastischer Konsistenz und nicht schmerzhaft.

Der Herzspitzenstoß ist an der linken ventralen Brustwand gut fühlbar, wobei die Auskultation des Herzens eine Frequenz von 60 Schlägen pro Minute ergibt. Die Herzaktion ist regelmäßig, die Herztöne sind deutlich voneinander abgesetzt. Es sind keine Nebengeräusche zu

vernehmen. Die Pulsfrequenz, palpiert an der A. facialis, entspricht der des Herzens. Der Puls ist regelmäßig und kräftig. Die Episkleralgefäße sind fein gezeichnet und mäßig gefüllt.

Die V. jugularis ist anstaubar, d.h. bei der Venenstauprobe fließt das Blut herzwärts völlig leer.

 

Bei der Adspektion ist eine rhythmische, costoabdominale Atmung feststellbar, die Frequenz beträgt 34 Atemzüge pro Minute. Die Bewegung des Brustkorbes ist symmetrisch und die Ausatmungsluft strömt aus beiden Nasenlöchern gleichmäßig aus. Die Nasenöffnungen sind feucht und das Flotzmaul fühlt sich kühl an. Sowohl Perkussion als auch Auskultation des Lungenfeldes sind ohne besonderen Befund.

 

Die Fresslust des Tieres ist gut und der abgesetzte Kot von breiiger Konsistenz. Die Schleimhäute von Maulhöhle, Zahnfleisch und Zunge zeigen sich bei der Adspektion blaß und unversehrt.

Das Abdomen ist symmetrisch, die Bauchdecke weist eine physiologische Spannung auf. Die Auskultation des Pansens ergibt 3 deutliche Kontraktionen in 2 Minuten.

Die Perkussion des Leberfeldes ergibt keinen besonderen Befund.

Das Tier belastet alle vier Gliedmaßen gleichmäßig. Die Untersuchung des Bewegungsapparates ist ohne besonderen Befund

 

 

 

 

 

Spezielle Untersuchung

A.     Präputium

Bei der Adspektion ist festzustellen, daß das freie Ende des Präputiums kurz und straff ist mit 3 fingerbreiter Abstand zur Bauchdecke. Es ist gut und in seiner vollen Länge am Unterbauch befestigt. Die Öffnung ist waagerecht und nach kranial gerichtet. Umfangsvermehrungen sind nicht zu erkennen. Der Haarpinsel ist ca. 5 cm lang. 

Bei der Palpation waren keine Schmerzhaftigkeit, Verengung, Verdickung oder Neubildungen zu fühlen.

 

B. PENIS

Im nicht ausgeschachteten Zustand kann der Penis nur durch Palpation untersucht werden. Die Penisspitze liegt ungefähr in der Mitte des Präputiums. Der Peniskörper ist ungefähr daumenstark und weist eine derb-elastische Konsistenz auf. Schmerz kann durch die Palpation nicht erzeugt werden. Weiter kaudal, im Zwischenschenkelspalt, oberhalb der Basis des Scrotums ist der ventrale Bogen der S-Biegung palpierbar. Das parietale Schleimhautblatt ist gut gegen das viszerale verschiebbar. Umfangsvermehrungen oder Knickungen können nicht festgestellt werden.

 

C. SCROTUM

Adspektion: Das Scrotum ist kaudal im Oberschenkelspalt gut sichtbar, was für diese Spezies  charakteristisch ist. Die Aufhängung des Skrotums ist symmetrisch. Der distale Bereich ist in Falten gelegt. Auf der unpigmentierten Haut des Scrotums, die vollständig, aber schwach von kurzen, hellbraunen Haaren bedeckt ist, sind keine Veränderungen bezüglich Farbe und Umfang zu sehen. An der Skrotumbasis im Inguinalbereich befinden sich beiderseits je zwei haselnußgroße Zitzen.

Bei der Palpation ergibt sich eine prallelastische Konsistenz des Scrotums. Die Hautschichten des Hodensackes (Tunica dartos, Tunica vaginalis) sind gut gegeneinander verschiebbar. Es gibt keine Hinweise auf Entzündungen (Wärme, Schmerzhaftigkeit).

 

 

 

 

 

D. TESTES

Hoden

Adspektion: Die beiden Hoden sind ca.10cm lang und ca. 6cm breit, sie haben längsovale Form mit vertikaler Längsachse und mit guter lateraler Bauchung, sie sind hinsichtlich Größe und Form symmetrisch und beidseitig vollständig in den Hodensack abgestiegen.

Bei der Palpation ergibt sich zusätzlich eine prallelastische Konsistenz und gute Verschiebbarkeit der Hoden. Es können keine Wärmebildung, Schmerzhaftigkeit und auch keine Auflagerungen festgestellt werden.

 

 

Nebenhodenkopf

 

Palpation: Die Nebenhodenköpfe sitzen kappenförmig auf dem proximalen Hodenpol und schieben sich kraniolateral etwas auf dem Hoden vor. Der linke Nebenhodenkopf ist sehr klein und deshalb schwer palpierbar. Der recht Nebenhodenkopf ist ohne Befund. Beide weisen eine derb-elastische, feinkörnig granulierte Konsistenz auf. Sie sind physiologischerweise nur zusammen mit den Hoden innerhalb der Tunica vaginalis verschiebbar. Schmerzhaftigkeit, Wärmebildung, Umfangsvermehrungen konnte nicht festgestellt werden.

 

Nebenhodenkörper

Palpation: Sie sind beiderseits die Fortsetzung der Nebenhodenköpfe und steigen kaudomedial am Hoden herab. Ihre Konsistenz ist derbelastisch und ihre Oberfläche glatt. Der rechte Nebenhodenkörper ist etwa strohhalmstark, der linke ist kleiner und schwer palpierbar. Es gibt weder einen Hinweis auf Entzündung (Wärme, Schmerz), noch sind Umfangsvermehrungen feststellbar.

 

Nebenhodenschwanz

Die Nebenhodenschwänze, die sich am jeweiligen distalen Hodenpol befinden, sind deutlich vom Hoden abgsetzt. Der rechte Nebenhodenschwanz ist ca. walnußgroß und der linke deutlich kleiner. Durch Druck ist keine Schmerzempfindung auslösbar, außerdem sind die Nebenhodenschwänze nicht vermehrt warm. Die Konsistenz ist derbelastisch und die Oberfläche glatt.

 

 

 

 

Samenstränge

Durch Palpation konnte festgestellt werden, daß der rechte Samenstrang eine rundlich-konische Gestalt besitzt, mit einer breiten Basis auf den proximalen Hodenpol sitzt und mit einem schlanker werdenden proximalen Teil zum Leistenspalt zieht. In der Mitte dieses Verlaufes ist der rechte Samenstrang ungefähr daumenstark. Seine Konsistenz ist derbelastisch und er ist innerhalb des Scheidenhautfortsatzes leicht verschiebbar.

Innerhalb des Funiculus spermaticus ist medial der ca.2mm starke Ductus deferens palpierbar, ein derber, kordelähnlicher Strang, der gut zwischen Daumen und Zeigefinger verschoben werden kann. Der Ductus deferens geht vom Nebenhodenschwanz aus und steigt medial des Hodens auf. Der linke Samenstrang entsprach den vorgehenden Befunden.

Wärme, Schmerzhaftigkeit, Ein- oder Auflagerungen konnte an den Samensträngen nicht festgestellt werden.

 

E.  Rektale Untersuchung

Die rektale Untersuchung der Samenblasendrüsen ergaben eine Länge von etwa 8 cm, eine Breite von 2 cm  und eine Dicke von c.a. 2 cm. Sie sind symmetrisch, höckrig und haben eine prall-weich-elastische Konsistenz. Sie sind weder druckempfindlich noch schmerzhaft. Die Samenleiterampullen waren medial der Samenblasendrüsen zu finden, sie waren etwa Bleistiftstark und prall-fest-elastisch. Ihre Oberfläche fühlte sich glatt an. Von der Prostata, war nur der Corpus kaudal der Samenblasendrüsen tastbar, die Oberfläche war glatt, der Corpus war c.a. 3 cm lang, 1,5 cm dick und 1 cm lang . Die Bulbourethraldrüse war nicht zu ertasten.

 

  1. ULTRASCHALLUNTERSUCHUNG

Die Ultraschalluntersuchung von Skrotum und Hoden ergab keine besonderen Befunde. Neben den hellen Schichten des Skrotums und der Tunika albuginea war deutlich das homogen verteilte Hodenparenchym zu erkennen, sowie in der Bildmitte als echoreiche Struktur das Rete Testis. Der Nebenhodenschwanz war nicht darzustellen. Auf die Darstellung der Geschlechtsdrüsen wurde wegen des rektalen Befundes verzichtet.

 

  1. PROBENNAHME

 

Kotprobe

Eine Kotprobe wurde rektal entnommen und zur parasitologischen Untersuchung eingesandt. Die Ergebnisse stehen noch aus.

 

Blutprobe

 Eine Blutprobe wurde entnommen und zum Nachweis von Antikörpern gegen Erreger von  Genitalinfektionen wie z.B. Brucellen, BHV 1 eingesandt. Die Ergebnisse stehen noch aus.

 

 

 

 

Vorhautsekretprobe

Zum Nachweis von Keimen im Bereich des Präputialschlauches und der Penisoberfläche wurde eine Präputialspülprobe durchgeführt. Die Ergebnisse der Mikrobiologischen Untersuchung stehen noch aus

 

 

H.    Spermagewinnung

untersuchung der Potentia Coeundi 

Beim Probedeckakt wurde eine hervorragende Libido und ein regelhafter Ablauf der Paarungsreflexkette (Erkennen, Kontaktaufnahme, Erektion, Ausschachten, Abgang der Vorsekrete, Aufsprung, Umklammerung, Einsprung, Nachstoß mit Ejakulation) festgestellt. Die Annahme der künstlichen Scheide war sehr gut.

 

G. SPERMAUNTERSUCHUNG

Untersuchung der Potentia generandi

Der Bulle wurde am 8.01.2000 abgesamt. Die Untersuchung des Sperma, das mit der künstlichen Scheide gewonnen wurde, ergab folgendes Spermiogramm:

 

Grobsinnliche Untersuchung

Volumen:                               6.5 ml

Aussehen, Konsistenz:           rahm- bis milchähnlich, nicht homogen

Farbe:                                     elfenbeinfarbend, undurchsichtig

Geruch:                                  geringgradig aromatisch

Beimengungen:                      keine

 

Mikroskopische Untersuchung

Die Dichte des Ejakulats wird mit der Blutkörperchen-Zählkammer bestimmt.

Ergebnis:    1.1 Mrd. Spermien/ml

            Die Bewegungsaktivität wird mit einem Phasekontrast-Mikroskop bestimmt und ergab

            folgende Werte:

Massenbewegung:  +++

Einzelbewegung: Sich vorwärtsbewegende Spermien in %: V  65/ sich am Ort bewegende Spermien: O 25/ unbewegliche Spermien:  U 10

            Die Supravitalfärbung ergab einen Prozentsatz von 15% gefärbten (=toten) Spermien.

Der Anteil der morphologisch defekte Spermien beträgt 15%.

Fremdzellinhalt und Beimengungen : -; es wurden weder  Samenzellvorstufen oder Spermiophagen, keine Epithelzellen, keine Erythrozyten oder Leukozyten noch Schmutzpartikel gefunden

 

 

Chemisch-physikalische Untersuchung

Der pH-Wert der Samenprobe wurde an der unverdünnten Probe ermittelt, er lag bei 6,5.

 

Mikrobiologische Untersuchung der Samenprobe

Ein Teil der Samenprobe wurde zur mikrobiologischen Untersuchung eingesandt. Es soll festgestellt werden, ob sie eventuell Keime aus dem Bereich der Zeugungsorgane, der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der Samenwege enthalten. Die Ergebnisse stehen noch aus.

 

Erbgesundheit

Um eventuelle Erbmängel aufzudecken, ist nach Möglichkeit die Vererbungslinie des Bullen im Zuchtbuch nachzuprüfen.

Phänotypisch weist nichts auf eventuelle Erbmängel hin. Im Gegenteil, es ist besonders schöner Bulle mit einem rassetypisch langgestrecktem Hals und einem eleganten Kopf, der einen gut bemuskelten Körper hat und ein optimales Fundament besitzt.

 

Diagnose

Potentia coerundi +

Potentia generandi : gut. die Ergebnisse der klinischen Untersuchung sowie das gute Ergebnis der letzten Decksaison  weisen bei diesen Bullen auf eine ungestörte Fortpflanzungsfähigkeit hin. Natürlich sind die Ergebnisse der Laboruntersuchungen abzuwarten.

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